Querbeet - Was so passiert und interessiert

Lindas Schicksalsjahre

Kartoffeln haben es nicht immer leicht

Querbeet 61

Herbert Ferres gehört dem Freundeskreis “Rettet Linda” an. Foto: StA.

Die festkochende Kartoffelsorte ist mehr als ein Nahrungsmittel. Sie setzte Emotionen frei, als der Lüneburger Züchterkonzern Europlant 2006 „Linda“ vom Markt nahm. Prominente plädierten im Fernsehen für den Erhalt. Der Biobauer Karsten Ellenberg aus dem niedersächsischen Barum gründete daraufhin den Freundeskreises “Rettet Linda“. Seit 2009 darf die Sorte auf deutschen Böden wieder gepflanzt werden. In den Achtzigern hat Linda den Bauern übrigens Probleme bereitet. Die Sorte verfault bei zu viel Kunstdünger. Sie ist ertragreich, wenn sie wenig gedüngt wird. Als die Bauern das merkten, setzte Linda sich rasant durch. Hansa ist die Mutter von Linda. Die gibt es seit 1958. Auch Sieglinde von 1935 hat bis heute überlebt.

Kaum ein Verbraucher weiß: Ein Landwirt darf nicht anbauen, was er will. Jede Frucht, jedes Gemüse muss genehmigt werden. 900 Neuanträge auf Zulassung gehen jedes Jahr beim Bundessortenamt ein. Gut 200 Sorten Kartoffeln sind derzeit genehmigt. Wer eine nicht registrierte Sorte verkauft, verstößt gegen das Saatgutverkehrsgesetz. Der Züchter Europlant hatte 30 Jahre die Rechte an Linda. Vor 25 Jahren gab es weltweit noch mehr als 7.000 Saatgutfirmen. Heute bestimmen zehn Konzerne 50 Prozent des globalen Marktes. Sie heißen zum Beispiel Syngenta, Pioneer, Monsanto oder eben Europlant, die die Linda verstoßen haben.

(ffu)

Mehr in der Ausgabe vom April 2010