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Der Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast ist offenbar gängige Praxis. Eine Studie im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums deckte die Verwendung im großen Stil auf.

Jahrelang sei von der Geflügelwirtschaft und der Bundesregierung immer wieder versichert worden, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast nur die Ausnahme sei. „Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Antibiotika-Einsatz ist die Regel und gängige Praxis“, sagte NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel bei der Vorstellung einer Studie zum Jahresende in Düsseldorf. Ein Ergebnis: 96,4 Prozent der Tiere aus den untersuchten Beständen erhielten Antibiotika. Bei den Untersuchungen kam heraus, dass über die ansich kurze Lebensdauer der Tiere (30 bis 35 Tage) eine Vielzahl von Wirkstoffen zum Einsatz kommen, teilweise bis zu 8 verschiedene Antibiotika. Im Durchschnitt wurden den Tieren 7,3 Tage lang Antibiotika verabreicht. Bei kleineren Betrieben (weniger als 20.000 Tiere) und längerer Züchtungsdauer (mehr als 45 Tage) lag der Einsatz eher unter dem ermittelten Durchschnitt.

Die Art und Weise, wie die Medikamente verabreicht wurden, lässt für Minister Remmel eigentlich nur einen Schluss zu: Entweder es handelt sich um Wachstumsdoping – was seit 2006 europaweit verboten ist. Oder aber das Haltungssystem ist derart anfällig für Krankheiten, dass es ohne Antibiotika nicht mehr auskommt. Das sei dann Gesundheitsdoping. Wenn es aber nur noch mit Antibiotika ginge, dann sei für ihn klar: “Diese Art von Massentierhaltung wird aus rechtlicher und ethischer Sicht keinen Bestand haben können!“ Die Studienergebnisse seien bundesweit übertragbar. „Wir müssen die Antibiotika-Ströme in der Tierzucht endlich offen legen“. Die Bundesregierung stehe jetzt in der Pflicht. Wissenschaftler warnen bereits seit langem vor den Folgen. Beim Menschen entfalten notwendige Antibiotika keine oder nur noch unzureichende Wirkungen. Die Bundesregierung soll das Arzneimittelgesetz (AMG) und die entsprechende Arzneimittelverordnung ändern. Nur durch diese Änderung können Daten über die Abgabe von Antibiotika und anderen Stoffen an die einzelnen Tierarztpraxen den Ländern zur Verfügung stehen. Johannes Remmel erwartet von seiner Bundesministerkollegin Ilse Aigner entsprechende Maßnahmen. „Ansonsten werden wir über den Bundesrat die Initiative ergreifen.“ Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies darauf hin, dass in Deutschland keine mit Antibiotika belasteten Lebensmittel verkauft werden dürfen. Inzwischen reagierte die Bundesverbraucherministerin. Frau Aigner kündigte einen Gesetzentwurf zur Eindämmung von Antibiotika in der Massentierhaltung an. Unter anderem sei angedacht, dass erforderlicher Antibiotika-Einsätze in einer längeren Zeitspanne vor der Schlachtung dokumentiert werden müssen. (red)

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Die Massentierhaltung schaffte es nach 35 Tagen, dass Hähnchen geschlachtet werden. Unter anderem durch den Einsatz von Antibiotika. Foto: M.Befler pixelio.de

Mehr zum Thema in der Ausgabe vom 19. Januar 2012