10.05.2012
Das Ende der Betreuungs-Industrie17.04.2012
Nützliche Igel-Kunde15.03.2012
Es ist die Schwindsucht16.02.2012
Nach Atommüll nun CO219.01.2012
Was steht denn da?08.12.2011
Abschied von der Verbrennung04.11.2011
Räumungsklagen07.10.2011
Der panierte Bohnensaft01.09.2011
Ehre bis zur Landesgrenze07.07.2011
Es sind die Botenstoffe12.04.2011
Rentners »Bravo«17.02.2011
Geht aufs Haus20.01.2011
Vorsicht! Dachlawine!11.11.2010
Durch Sammeln reich werden02.09.2010
Walle, walle Wupper19.02.2010
Fremdschämen08.10.2009
Umweltschutz anno 180008.02.2009
Rote HaareDie Politik übersah das Resultat einer Studie anscheinend, die erschreckt. Hamburger Wissenschaftler gehen von siebeneinhalb Millionen Analphabeten in Deutschland aus. Was bedeutet: jeder siebente Erwachsene über 18 Jahre kann kaum lesen und schreiben. 2 Millionen können es überhaupt nicht. Weitere 13,3 Millionen Erwachsene können mit Schrift umgehen, stehen aber mit der Rechtschreibung massiv auf Kriegsfuß. Würde man auch Zugewanderte ohne mündliche Deutschkenntnisse hinzuziehen, so heißt es in dem Bericht, müssten diese Personen noch hinzugezählt werden. 7,5 Millionen Menschen sind nicht in der Lage, mehr als ein paar Sätze am Stück zu lesen oder zu schreiben. Sie beherrschen das für ihren Alltag Notwendige, können Schilder entziffern oder Unterschriften leisten. Allerdings wissen sie oft nicht, was sie unterschreiben. Die Wissenschaftler reden hier von „funktionalem Analphabetismus“. Interessant ist: der überwiegende Teil verfügt zumindest über eine Hauptschulabschluss. Jeder 8. schaffte den Realsschulabschluss oder Abitur. Die Untersuchung ermittelte, dass nur 3 Millionen mit einer fremden Sprache aufwuchsen. 58 Prozent wurden mit Deutsch als Erstsprache eingeschult.
Als der Pisa-Test 2001 die Schwächen der Schüler in Deutschland offenbarte, überboten sich die Kultusminister der Länder mit Reformen. Unter anderem mit der Ganztagsschule in NRW. Doch niemand machte sich Gedanken über die Generationen, die die Schulen bereits verlassen haben. Das Versäumnis spiegelt sich in der Altersgruppe wider. Mit 16 Prozent macht die in Deutschland lebende Gruppe der 50 bis 64-jährigen ein Drittel aller mit diesen Handicaps aus. Seit der Reform der Zuwanderung im Jahr 2005 gibt es staatlich verordnete Sprachkurse. Der »B1-Status« ist laut Gesetz die Grundlage für eine Einbürgerung sowie oft Einstellungsvoraussetzung in Unternehmen. Vor B1 liegt die Eingangsstufe A1. Ein A1-Zertifikat bescheinigt den Besitz einfachster Deutschkenntnisse. und ist Voraussetzung für ein Visum für Deutschland. Anders als zu vermuten, verfügt mehr als die Hälfte aller funktionalen Analphabeten über einen Job. Nach der Leo-Studie in ganz bestimmten Branchen. So kann jeder vierte Koch, Maler oder Lkw-Fahrer in Deutschland nur ansatzweise lesen und schreiben. Bei Helfern auf dem Bau fällt die Schwäche noch deutlicher auf. Das berichtet die Wochenzeitung Die Zeit. Und noch eins zeigt die Untersuchung: Analphabetismus ist Männersache (60 Prozent). Frauen sind weit weniger vertreten. Friedhelm Funk
Mehr zum Thema in der Ausgabe vom 19. Januar 2012