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Expresso bitte mir »ess«

Wir Deutsche sind irgendwie ein bisschen italienischer geworden. Der Absatz von Kaffeemaschinen erhöht sich von Jahr zu Jahr. Das macht auch den Bohnenverkäufern Freude. Sie stellen sozusagen die Munition her. Wer aus den blitzblanken Brühapparaten was rausholen will, braucht passende Kapseln oder Pads.

Der Siegeszug der italienischen Momente im Leben der Germanen eröffnet den Herstellern von Espressomaschinen riesige Absatzmärkte.

In neun von zehn deutschen Haushalten steht eine Kaffeemaschine herkömmlicher Bauart. Die vollautomatischen Alleskönner, die mahlen, brühen und auch noch zauberhaft Milch aufschäumen, haben erst elf Prozent der Wohnungen erobert. Es herrscht also Goldgräberstimmung.

Nicht nur die Geräte sind teuer, auch die Kosten pro Tässchen können bis zu 40 Cent ausmachen. Das Plätzchen zum Kaffee nicht mitgerechnet.

In Italien ist die Kaffeewelt geteilt. Außer Haus werden täglich 70 Millionen Tassen konsumiert. In den eigenen vier Wänden begnügen sich die Nachfahren der alten Römer überwiegend mit simplen Mokka-Kannen für den Herd.

Das System mit der achteckigen Kanne erfand Alfonso Bialetti im Jahre 1933. Das bestätigt offenbar wieder, dass der Prophet im eigenen Land einen verdammt schweren Stand hat. Die Nobelhersteller wie Saeco oder Delonghi kommen bei ihren Landsleuten nur vereinzelt zum Zug. Der deutsche Markt dagegen boomt.

Da fällt es den Verkäufern leichter wegzuhören, wenn sie die Kunden im Norden Ex-presso statt korrekt Es-presso sagen hören. (red)

Mehr in der aktuelle Ausgabe vom 5. November 2009