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Mobiler Seeblick

Zwischen dem akkurat getrimmten Rasen und Wohnwagen liegt, Ton in Ton, grasgrüner Teppichboden. Vor zwei Jahren hat das Rentnerehepaar den Standort am Ufer der Diepentalsperre samt Wohnwagen übernommen. Gebraucht. Sonst kriegen sie sowas hier nicht, sagt die Dame des mobilen Heims und weist mit einer ausladenden Armbewegung auf die Umgebung hin.

Die Freiberuflerin nebenan möchte die Inspiration spüren, die von dem idyllischen Ort ausgeht. Die Uhr tickt hier einfach langsamer, sagt sie. „Das genieße ich.“ Die ständige Anspannung, der Gallopp durchs Leben, dazu möchte sie Alternativen aufspüren.

Der Umzug aus der perfekt eingerichteten Stadtwohnung in den Caravan ist für sie ein Experiment. „Ich möchte einfacher leben ausprobieren.“ Weg von Wohnstandards, die nach ihrer Auffassung einen viel zu hohen Anteil am Einkommen des Einzelnen verschlingen.

Ein Stellplatz für die mobile Heimstatt kostet weniger als 1.000 Euro Pacht im Jahr. Inklusive Wasserversorgung, Duschmöglichkeit, Müllbeseitigung und so weiter. Der eigene Stromzähler geht extra.

Die Hochkonjunktur der Selbstfindung bestätigt in gewisser Weise die Feststellung der Weltgesundheitsorganisation. Die WHO bezeichnet Stress als größte Gefahr für das 21. Jahrhundert. Wer vor seinem Wohnwagen sitzt und auf das Wasser der Diepentalsperre schaut, emfindet anscheinend Wohlbefinden.

Vogelgezwitscher statt Straßenlärm um die Ohren steigert die Lebensfreude und fördert die Gesundheit. Die Nähe zur Natur ist sozusagen der Erfrischungsdrink für Körper, Geist und Seele. (cas)

Mehr in Heft 53 des Stadtanzeiger vom 13. August 2009