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Der Cappuccino-Effekt

Manchem Morgenmuffel hilft nur die Aussicht auf eine Tasse köstlich duftenden Kaffees aus dem Bett.

Seit hundert Jahren vermuten Wissenschaftler, dass sich bestimmte Substanzen im Gehirn ansammeln, wenn man zu lange nicht geschlafen hat.

In Tierversuchen zeigte sich, dass sich nach längerem Schlafentzug große Mengen des Signalmoleküls Adenosin im Gehirn ansammeln. Viel mehr als im hellwachen Zustand. Doch nur wenn dieser Botenstoff auf passende Empfängermoleküle – eben auf die geheimnisvollen Adenosinrezeptoren – treffen, beeinflusst er die Hirnzellen und macht schläfrig. Ein bestimmter Typ dieser A-Rezeptoren wurde vom Jülicher Neurowissenschaftler Professor Andreas Bauer und seiner Arbeitsgruppe als Schlaffaktor identifiziert. Für die Experimente mussten zwölf Freiwillige ihre Nachtruhe opfern. Die Aufgabe der Forscher war es, die Versuchspersonen permanent wach zu halten. Vor und nach der durchwachten Nacht maßen die Wissenschaftler, wie hoch die Konzentration der Rezeptoren im Gehirn der Versuchspersonen war. Eine Vergleichsgruppe, die ungestört durchschlafen durfte, wurde ebenfalls untersucht. Die Messung ergab: Nach einer schlaflosen Nacht enthält das Gehirn in vielen Regionen, vor allem in Bereichen dicht hinter den Augen, weit mehr Rezeptoren als nach einer erholsamen Nachtruhe. Daraus schlossen die Wissenschaftler, je mehr A-Rezeptoren vorhanden sind, desto mehr Adenosin kann es an die Nervenzellen binden und dem Gehirn mitteilen: Zeit für ein Nickerchen!

Wie dieses Müdigkeitssignal im Einzelnen seine Wirkung entfaltet, wissen die Forscher noch nicht genau. Was sie aber zu wissen glauben: Koffein hemmt den Schlaffaktor. Er bindet an die A-Rezeptoren an und blockiert sie so für das Adenosin. So erklärt sich die aufmunternde Wirkung eines Cappuccino und Co. (red)

Mehr Information in Ausgabe 51 vom Juni 2009